Westafrika

Westafrika auf der Karte

Als Westafrika werden alle Länder des afrikanischen Kontinents bezeichnet, die sich im Westen von Afrika befinden und durch den Atlantischen Ozen sowie der Sahara begrenzt werden. Insgesamt 16 Staaten zählen geografisch zu Westafrika; dies sind in alphabetischer Reihenfolge Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Guiea-Bissau, Kap Verde, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo. Westafrika gilt gemeinhin als der ärmste Teil des afrikanischen Kontinents; Armut und Hungersnot findet man in nahezu allen Ländern dieses afrikanischen Teils. Aus diesem Grund ist Westafrika für den Tourismus kaum erschlossen – im Gegensatz beispielsweise zu Südafrika wird dieser Teil des Kontinents recht wenig bereist. Touristen aber, die sich dennoch zu einer Reise nach Westafrika entscheiden, werden fasziniert sein von der Vielzahl der hier lebenden Kulturen, den beeindruckenden Landschaften und der artenreichen Flora und Fauna.

 Geschichte

Westafrika kann auf eine sehr lange und ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Besonders bedeutend für die Geschichte und Entwicklung des Landes war natürlich vor allem die Kolonialisierung, doch auch vor dieser Zeit ist die Geschichte von Westafrika durchaus spannend. Grundsätzlich unterscheidet man drei große Reiche, welche die Geschichte des Landes besonders prägten. Das erste dieser Reiche ist Ghana – die Geschichte des Reiches Ghana erstreckt sich etwa vom 7. bis in das ausgehende 11. Jahrhundert. Dieses Reich Ghana erstreckte sich zwischen den beiden Flüssen Niger und Senegal. Gegründet wurde Ghana etwa um das 7. Jahrhundert, vielleicht auch etwas früher, von Cissé-Klan von Wagadoo. Bedeutend für das Reich Ghana war vor allem das Gold, welches diesem Reich zu Wohlstand verhalf. Etwa Ende des 13. Jahrhunderts wurde Ghana von Sakoura, einem malischen Herrscher, eingenommen und das Reich Mali entstand. Songhay und die Königreiche Mossi und Ashanti waren weitere bedeutende Handels- beziehungsweise Königreiche in Westafrika, die jedoch allesamt durch die Kolonialmächte zerschlagen wurden.

 Kolonien

Fort St. Jago da Mina in Ghana

Bedeutend für die Geschichte von Westafrika waren vor allem die Kolonien. Etwa um das 15. Jahrhundert erreichten Portugiesen, Franzosen und Briten die Küsten von Westafrika und nahmen diese für sich ein. Die Bewohner von Westafrika wurden unterdrückt und größtenteils zu Sklaven. Dieser Sklavenhandel wurde hauptsächlich mit Nordamerika betrieben.

Vor allem Frankreich unterdrückte viele der Bewohner und konzentrierte sich etwa ab 1830 speziell auf Afrika. In den Jahren zwischen 1845 und 1897 eroberte Frankreich nicht nur den Großteil von West- und Zentralafrika, sondern auch die gesamte Sahara.

Ein besonders bedeutendes Ereignis in der Geschichte war die sogenannte Kongokonferenz im Jahr 1884. An dieser nahmen neben der USA auch die mächtigsten Länder Europas wie Großbritannien und Frankreich teil. In Ergebnis dieser Zusammenkunft wurden weite Teile Afrikas unter diesen Großmächten aufgeteilt. Der größte Teil Westafrikas blieb dabei in den Händen der Franzosen, lediglich einige wenige Staaten, darunter Nigeria, fielen den Briten zu.

 

Sklavenhandel

Sklavendenkmal

Der Sklavenhandel in Westafrika begann in den Jahren von 1441 bis 1444 – also noch vor der Entdeckung Amerikas. Die Portugiesen waren das erste Volk, welches die Küsten von Westafrika erreichte. Diese verschleppten nordafrikanische Berber und Schwarzafrikaner nach Südportugal. Unzählige Sklaven starben – nicht nur aufgrund der schweren Arbeit auf den Feldern und in den Minen, sondern auch durch Krankheiten, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Der Sklavenhandel beziehungsweise die Verschleppung der Sklaven erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 400 Jahren. Sage und schreibe etwa zehn bis zwölf Millionen Schwarzafrikaner wurden in dieser Zeitspanne nach Nordamerika verschleppt. Dies jedoch sind nur die offiziellen Zahlen; die Dunkelziffer schätzt die Anzahl der verschleppten Sklaven auf bis zu 40 Millionen.

Die meisten der Sklaven wurden nach Brasilien oder in die Karibik geführt – überstanden sie die harte Überfahrt, erwartete sie hier ein Leben voller Arbeit. Vorrangig wurden diese auf den Zuckerrohrfeldern Amerikas eingesetzt, doch auch auf Tabakplantagen oder Reisfeldern mussten die Sklaven arbeiten. Einige der Sklaven wurden jedoch auch im Bergbau oder sogar in den Haushalten eingesetzt – letztgenannte nannte man dann urbane Sklaven. Nicht nur die Arbeit der Sklaven allerdings war hart, auch wurden diese von ihren Herren größtenteils misshandelt. Markieren mit dem Brenneisen oder Auspeitschen waren damals recht gängige Methoden, die Sklaven zur Arbeit zu zwingen.

 Flora und Fauna

1000 Jahre alter Affenbrotbaum

Zwar ist Westafrika nicht unbedingt ein Reiseziel im klassischen Sinn, denn in den meisten Ländern herrscht eine immense Armut. Zudem sind Krankheiten hier an der Tagesordnung und auch die politische Situation ist in den meisten Ländern von Westafrika alles andere als sicher. Hat man sich dennoch zu einer Reise in den westlichen Teil von Afrika entschieden, wird man jedoch erstaunt sein über die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt, welcher man hier begegnet.

Grundsätzlich unterscheidet man in Westafrika vier Landschaftsformen: den tropischen Regenwald, die Feuchtsavanne, die Trockensavanne und die Dornbuschsavanne. Auch Ausläufer der Wüste jedoch sind im westlichen Afrika durchaus noch zu finden. Vor allem in der Feuchtsavanne, doch auch in den Küstenregionen, leben die vielleicht beeindruckendsten Tiere des Landes. Hier nämlich kann man unter anderem Elefanten, Flusspferde, Affen, Krokodile und Echsen entdecken – sie alle haben in diesen Landschaften ihren natürlichen Lebensraum gefunden. Die Trockensavanne wiederum ist besonders interessant, weil hier der sogenannte Affenbrotbaum, auch Baobab genannt, gedeiht. Einige dieser Exemplare sind mehr als 1.000 Jahre alt (der in unserem Foto etwa). In dieser Savanne mit ihren hohen Gräsern fühlen sich vor allem Löwen, Gazellen, Geparde, Büffel und Giraffen wohl.

Was viele nicht wissen: auch eine bunte und artenreiche Vogelwelt wartet auf den Besucher in Westafrika. Am besten kann man die Flora und Fauna von Westafrika übrigens in einem der zahlreichen Nationalparks entdecken.

 Ausländische Investoren

Was zieht ausländische Investoren nach Westafrika? Zahlreiche Großmächte haben sich vor allem in jüngster Zeit dazu entschlossen, in den Entwicklungsländern von Westafrika Land zu kaufen. Dieses ist nämlich billig, aber durchaus interessant, denn in den meisten Ländern von Westafrika gibt es bedeutende Bodenschätze. Egal ob Erdäl, Uran oder Bauxit – die Bodenschätze und natürlichen Rohstoffe des westlichen Teiles von Afrika sind für die Großmächte unserer Welt natürlich von besonderer Bedeutung. Weiterhin kann man sich natürlich die Arbeitskräfte zunutze machen, die ebenfalls verhältnismäßig billig sind. Die Regierungen von Westafrika haben zum größten Teil keine einheitlichen Regelungen getroffen, was den Verkauf ihrer Ländereien betrifft. So ist es für westliche Großmächte ein Leichtes, billig große Flächen von Land zu kaufen; Kritiker sprechen hier mittlerweile sogar von einem “neuen Kolonialismus”. Die Westafrikaner selbst jedoch heißen diese ausländischen Investoren sogar willkommen und buhlen um deren Gunst, denn man erhofft sich nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch den Import von fortschrittlichen Technologien.
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